Spielschulden und Wettschulden muss man bezahlen?

Nicht zuletzt seit dem Film „James Bond Casino Royal“ besteht eine Pokereuphorie. Dabei geht es teilweise um beträchtliche Summen. Die Frage ist nur, ob man die angehäuften Schulden auch tatsächlich auszugleichen hat.

 

Denn den Spruch „Spielschulden sind Ehrenschulden“ haben die meisten zwar schon einmal gehört. Nicht alle aber haben ihn auch verstanden. Denn immer wieder kommt es vor, dass siegreiche Skat- oder Pokerspieler glauben, sie hätten einen Anspruch auf das gewonnene Geld. Sie legen den oben zitierten Satz fälschlich aus, dass Spielschulden nicht nur rechtlich verbindlich seien, sondern ihre Begleichung zusätzlich auch noch eine Frage der Ehre ist. Bei Wettschulden besteht das gleiche Missverständnis.

Richtig ist: Wett- und Spielschulden sind keineswegs verbindlich. Niemand kann gezwungen werden, Geld zu bezahlen, dass er bei einem Glücksspiel oder eine Wette verloren hat. Eine entsprechende Klage vor Gericht hätte keine Aussicht auf Erfolg. Wer sich nun bereits die Hände reibt und von seinen Skatkumpels die Rückzahlung des Geldes verlangt, was er im Laufe der letzten Jahre insgesamt verzockt hat, sollte sich jedoch nicht zu früh freuen. Denn Wett- und Spielschulden, die man einmal beglichen hat, kann man nicht mehr zurückfordern. Dass man sie gar nicht erst hätte begleichen müssen, spielt keine Rolle. Was einmal weg ist, ist also weg.

 

Und wie ist das mit der Ehre? Ob man gleich seine Ehre verliert, wenn man Wett- und Spielschulden nicht begleicht, sei einmal dahingestellt. Denn grundsätzlich ist öffentliches Glücksspiel in Deutschland sogar strafbar, wenn nicht ausnahmsweise eine behördliche Genehmigung (zum Beispiel bei Spielbanken) vorliegt. Der Begriff „öffentlich“ ist dabei sehr weit definiert! Selbst Stammtische, die regelmäßig Glücksspiele veranstalten, gelten als öffentlich. Dabei ist es egal, wo der Stammtisch sich trifft. Sogar Spiele in dem privaten Partykeller können als öffentliche Veranstaltung gelten und strafbar sein. Wenn das Gesetz in dieser Frage derart streng ist, muss man sich fragen, ob es wirklich unehrenhaft sein kann, Spielschulden nicht zu bezahlen. Schließlich handelt es sich letztlich um die Beute aus einer Straftat…

Im Ergebnis heißt das: Wer sich nach sechsstündiger erfolgloser Skatklopperei bereits mit den Worten verabschiedet: „War doch nur ein Spiel!“ und das verlorene Geld nicht herausrückt, der hat zwar das Recht auf seiner Seite. Auch seine Ehre verliert er möglicherweise nicht. Was er dagegen mit Sicherheit verlieren dürfte, sind ein paar gute Freunde. Ob man dies in Kauf nehmen möchte, hängt natürlich ganz von den Freunden ab…

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